Es ist Montag, der 3.Juni 2010 morgens. Der Radiowecker
reißt Günther S. (46) aus dem Schlaf. Der Oldie-Sender spielt Modern Talking.
Herr S. quält sich aus dem Bett. Gestern ist es etwas später
geworden bei der Arbeit. Dienst am Pfingstsonntag – mal wieder. Früher konnte
er danach wenigstens ausschlafen. „Ja ja, der Pfingstmontag ….“ Murmelt Herr S.
ist das schon sieben Jahre her?“
Es hat sich wirklich einiges getan seit damals. Nur nicht in
seinem Haus …
Als 2003 die Eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen
wurde, mussten sie eben Abstriche machen. Und inzwischen hat sich Familie S.
daran gewöhnt – an die freiliegenden Leitungen und den Betonfußboden. „Gut, das
damals die Garage noch nicht fertig war“, denkt Herr S. „denn der Wagen ist
längst verkauft.“ Zu teuer, seit es keine Kilometerpauschale mehr gibt. Und mit
Bus und Bahn dauert es bis zur Arbeitsstelle ja auch nur zwei Stunden.
Und was man dabei für nette Leute trifft. Zum Beispiel die
Blondine, die Herr S. immer so reizend anlächelt. Zurücklächeln mag er nicht.
Wegen der Zähne. Aber was will man machen? 300 Euro für zwei Kronen sind viel
Geld. Und schon die Brille musste er selbst bezahlen. Hat dabei aber 15 Euro
gespart. Weil er nicht gleich zum Augen-, sondern erst zum Hausarzt gegangen
ist – wegen der Überweisung.
Trotzdem: Urlaub fällt flach. „Das könnte Ärger geben zu
Hause“, stöhnt Herr S. vor sich hin. Traurig erinnert er sich an letzte
Weihnachten. Als es nichts gab. 2009 wurde nämlich auch in der freien
Wirtschaft das Weihnachtsgeld gestrichen. Im öffentlichen Dienst ist das ja
schon länger her. „Und bis wann gab es eigentlich Urlaubsgeld?“, fragt sich
Herr S.. Er kommt nicht drauf.
Damals hatte man jedenfalls noch genügend Urlaub, um das
Urlaubsgeld auszugeben. Heute sind es ja gerade mal 19 Tage im Jahr.
Pfingstmontag? 1.Mai? – Geschichte. Das stand nicht auf der Agenda 2010 – so
hieß sie doch oder? Aber man soll nicht meckern. „Die da oben“, weiß Herr S..
„müssen noch viel mehr ackern.“
Darum kann Günther S. mit der 45 – Stunden-Woche auch ganz
gut leben. Er hat auch keine Wahl. Seit der Kündigungsschutz auch in großen
Betrieben gelockert wurde, mag man es sich mit den Bossen nicht mehr
verscherzen. Wer will sich schon einreihen in das Heer von sechs Millionen
Arbeitslosen? Aber den Feiertagszuschlag für den Dienst an Pfingsten vermisst
er schon.
Was solls, in 23 Jahren, dann wird er 70, hat Herr S. es
hinter sich. So üppig wird die Rente zwar nicht ausfallen, wenn das mit den
Nullrunden so weitergeht. Doch wer weiß: Vielleicht bringt ihn das Rauchen
vorher um. Obwohl er weniger qualmt, seit die Schachtel neun Euro kostet. Aber
heute, auf den letzten Metern zum Büro, steckt Günther S. sich trotzdem eine
an.
Quelle :Unbekannter Autor
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